Ich möchte nicht in einer Welt ohne Freundschaften leben

1 12 2010

Ich möchte nicht in einer Welt ohne Freundschaften leben. Ich brauche ihre tröstenden Zuversichten, auf dem Pausenhof nicht allein spielen zu müssen, ihre Zuversicht, gemeinsam Mädchen doof finden zu können und ihre Zuversicht, nicht als einziger überteuerten Eintritt in ein überbewertetes Etablissement zahlen zu müssen.
Ich brauche sie gegen die Anonymität im Alltag, auf der Straße, in der Universität. Ich brauche sie gegen die Einsamkeit, die in der Anonymität liegt. Ich brauche die Zuverlässigkeit, mit der Freunde einander zum Geburtstag gratulieren, die Zuverlässigkeit, mit der sich Freunde Geld leihen und die Zuverlässigkeit, mit der sich Freunde alles schenken können.
Ich brauche sie gegen die voreingenommenen Blicke der Anderen, die mich nach Unzulänglichkeiten einordnen wollen.
Ich brauche die Herausforderung, den anderen zum Lachen zu bringen, ihn unter allen anderen Menschen herausheben zu können und sich dadurch selbst zu etwas besonderem machen zu können. Denn nur, wenn ich anderen einen Wert geben kann, werde ich selbst unersetzlich.
Ich möchte nicht in einer Welt ohne Freundschaften leben.
Ich brauche die scherzhaften Spielchen unter Freunden, mit denen man sich Zusammengehörigkeit beweist. Ich brauche sie gegen die maßgebliche Ernsthaftigkeit, die sich nur parodieren lässt.
Ich möchte das Recht behalten dürfen, einen Menschen nachts um zwei aus dem Schlaf reißen zu können und ihm meine Unzufriedenheit, die mich nicht schlafen lässt, mitteilen zu können. Ich brauche es gegen das träumerische Schlafwandeln am hellichten Tag.
Ich brauche den unscheinbaren Zufall, mit dem man Freunde findet, ich brauche die anscheinende Beliebigkeit, mit der man Freundschaft schließt und ich brauche die schmerzhaften Dummheiten, mit denen man Freunde verliert.
Ich möchte nicht in einer Welt ohne Freundschaften leben, denn es würde mich ersetzbar machen. Und in einer Welt, in der ich ersetzbar bin, möchte ich nicht leben.


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Eine Antwort

5 01 2011
LiMo

Ich kann nicht beurteilen, ob das gute Literatur ist.
Aber mein Gefühl fand diesen Text sehr schön. :-)

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